


Planungsaufgabe und Gestaltungskonzept
Das Büro LAGO Landschaftsarchitektur Goronzi wurde Ende 2016 mit der Planung für die Anlage einer Spielfläche im Süden Leipzigs, im Stadtteil Großzschocher beauftragt. Planerisches Ziel war es dabei, bisher fehlenden Spielwert bzw. weitere Spielangebote für Kinder des angrenzenden Wohnumfeldes zu schaffen.
Die ausgewählte Fläche zeigte sich vor der Umgestaltung in einem ungenutzten und verwilderten Zustand. Die Standortanalyse ergab, dass es sich bei dem umzugestaltenden Grundstück um den ehemals privaten Wohnsitz der Familie Anton Zickmantel handelte, die hier ihre sogenannte „Rote Villa“ bewohnte. 1944 wurde bei einem Bombenangriff die Villa komplett zerstört. Seitdem verwilderte der ehemalige Wohnsitz. Über die vergangenen Jahrzehnte entstand durch flächigen Aufwuchs von Ahorn ein waldartiger Charakter. Einzelne Reste, so z. B. die alten Klinkerpfeiler der damaligen Grundstückszufahrt oder die aus Feldsteinen errichtete Mauer, die das Grundstück straßenseitig begrenzt, zeugen noch heute von der ehemals stilvollen Villa, welche von einer kleinen gestalteten privaten Gartenanlage umgeben war.
Die Planungsaufgabe bestand darin, den jetzigen Zustand des Geländes in seinem waldartigen Charakter zu erhalten und die gewünschten Spielangebote in diesen zu integrieren. Auf Grundlage der Planungsaufgabe wurde durch das Büro LAGO Landschaftsarchitektur Goronzi in Zusammenarbeit mit der Firma Klettermax GmbH, Domsühl, ein Spielkonzept erarbeitet. Dieses sah eine Seil- und Kletterlandschaft vor, die zahlreiche Spielvarianten ermöglicht. Die reduzierte Materialkombination aus Stahlpfosten, farblich gestaltet, und Herkulesseilen in unterschiedlichen Ausführungen sollte die Umgebung in ihren Formen und Farben aufgreifen und sich so dezent in den vorhandenen Baumbestand einfügen. Auf Grund der ständigen Beschattung der Fläche wurde auf den Werkstoff Holz gänzlich verzichtet. Der Einbau der einzelnen Kletter-, Hangel- und Balancierelemente sollte ursprünglich größtenteils ohne Fallschutz erfolgen, lediglich im nördlichen Bereich des Geländes wurde ein hoher Kletterturm vorgesehen. Der dafür notwendige Fallschutz war hier problemlos einzubauen.
Das gesamte Gelände war ursprünglich bodennah mit Efeu überwachsen. Dieser geschlossene Bewuchs sollte in gemeinsamer Abstimmung soweit möglich erhalten werden, da sich eine neu angelegte bodenbedeckende Vegetationsschicht nur sehr schwer auf Grund der örtlichen Gegebenheiten etablieren würde. Die angedachte Gestaltung des Spielplatzes erforderte auch besondere Überlegungen bezüglich der Einzäunung und Absicherung der Fläche. Es sollte keine herkömmliche Einfriedung erfolgen. Der bespielbare Bereich musste jedoch umlaufend deutlich sichtbar und sicher eingegrenzt werden. Vor diesem Hintergrund wurde bereits in der Planungsphase ein entsprechender Sicherheitssachverständiger hinzugezogen. Gemeinsam wurden vor Ort Lösungsvorschläge auf Grundlage bestehender Prüfvorschriften diskutiert. Im Ergebnis wurde eine den gesamten Spielbereich umschließende Benjeshecke angelegt. Das gesamte auf der Fläche im Zuge der vorausgegangenen Rodungs- und Gehölzschnittmaßnahmen angefallen Schnittgut wurde hierfür verwendet.
In einem Abstand von ca. vier bis fünf Metern zur straßenseitigen Bestandsmauer wurde zusätzlich für eine einfache Form der optischen Absperrung, bestehend aus farblich behandelten Stahlpfosten und dazwischen gespannten Herkulesseilen, errichtet.
Da nach erfolgter Kampfmittelsondierung nicht auszuschließen war, dass eine nicht abschätzbare Gefahr auf dem Gelände bestand, auf Sprengkörper aus dem 2. Weltkrieg zu treffen, wurde ein großflächiger Bodenaustausch im Bereich des gesamten künftigen Spielgeländes notwendig. Die gesamten Arbeiten wurden durch einen Kampfmitteldienst fachlich begleitet. In Vorbereitung dieser Maßnahme waren leider weitere großflächige Rodungen im Gehölzbestand unumgänglich. Auch das hier anfallende Schnittgut wurde vollumfänglich in die Benjeshecke eingearbeitet.
Im Zuge der veränderten Rahmenbedingungen musste auch die geplante Anordnung der Spielelemente überdacht werden. In Zusammenarbeit zwischen dem Büro Goronzi und dem beauftragten Spielgerätehersteller entstand nun eine großzügige, zusammenhängende Seillandschaft. Die Stützen, teils leicht schräg eingebaut, nehmen die Form der umgebenden Baumstämme auf. Die komplexe Gestaltung der Spielgeräte ermöglicht ein vielfältiges Spiel und verschiedenste Bewegungsabläufe, wie Klettern, Hangeln, Rutschen, Schwingen, Balancieren, etc. Der notwendige Fallschutz wurde im Zuge des Bodenaustausches großflächig eingebaut. Die bereits zuvor abgestimmte Material- und Farbwahl blieb weiterhin erhalten.
Um auch zukünftig wieder den Charakter eines Spielwaldes bzw. des Spieles im Wald zu erzielen, wurde üppig nachgepflanzt. Zwischen dem Spielbereich und der begrenzenden Benjeshecke wurden flächig einheimische Sträucher gesetzt, die zudem das gewünschte Bestocken der Hecke unterstützen. Die Strauchpflanzungen wurden zusätzlich durch mehrere Hochstämme ergänzt. Diese können sich künftig durch den freien Stand zu großkronigen gesunden Gehölzen entwickeln und langfristig für eine ausreichende Beschattung sorgen.
Die noch vorhandene historische Bausubstanz wurde bewusst in die neue Gestaltung integriert. Die alten Klinkerpfeiler der ehemaligen Toranlage wurden in Teilen bis auf ihre sandsteinernen Sockel abgetragen. Diese begrenzen nun die neu eingebauten Treppenstufen. Somit entspricht der heutige Eingang zur Spielfläche wieder der historischen Zugangssituation. Ganz bewusst wurde in gemeinsamer Abstimmung aller Beteiligten auf den Einbau neuwertiger Materialien verzichtet. So wurden z. B. für die Treppenstufen alte Granitblöcke aus dem Bestand der Stadt Leipzig wiederverwendet. Die historische Bestandsmauer konnte durch im Zuge des Bodenaustausches aufgefundenen Naturstein überarbeitet werden. Einzelne große sandsteinerne Zierelemente, die der „Roten Villa“ zugeordnet werden konnten, befinden sich nun als Relikte vergangener Zeiten verteilt auf dem Spielgelände. Als jetzige Sitzgelegenheiten dienen alte Baumstämme, aufgefundene Findlinge, schlichte Lümmelbänke für die Kinder und Jugendlichen sowie ein einzelnes Bankelement.
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